Estland – der Norden – Tallinn Altstadt

Tallinn ist die Hauptstadt der Republik Estland. Sie liegt im Norden des Landes direkt am Finnischen Meerbusen. Im Mittelalter war Tallinn, das frühere Reval, eine bedeutende Hafenstadt. Sie gehörte dem Bund der Hanse an und noch heute kann man die Bedeutung und den Reichtum der einst so reichen Stadt erahnen. Beim durchstreifen der Stadt wird man auf Schritt und Tritt von den Zeugnissen der Vergangenheit begleitet. Fast alle historischen Bauten des alten Revals sind noch vorhanden und versetzen den Besucher ins Mittelalter. Es sind die Zeugnisse der großen Vergangenheit, die Authentizität und die Einzigartigkeit, die Tallinn 1997 zum Weltkulturerbe der UNESCO machte. Neben dem historisch Sehenswerten lockt auch die Landschaft die Besucher an. So verfügt die Stadt über eine sehr schöne Bucht, deren Sandstrand in der Freizeit sehr begehrt ist. Zum Landesinneren geht der Strand in eine glintartige Kalkstein- Abbruchkante über. Tallinn ist ein wenig eingezwängt. Im Norden ist es die Ostsee und im Südosten sorgt der See Ülemiste järv dafür, dass die Stadt seit ihres Bestehens nur in zwei Richtungen wachsen konnte. Heute ist sie in einem schmalen, 24 km langen Streifen von Südwest nach Nordost auf natürliche Art gewachsen. An der schmalsten Stelle ist die Stadt, zwischen dem See und der Ostseeküste, gerade mal 2,4 km breit. Heute ist Tallinn mit seinen ca. 400 000 Einwohnern eine moderne, weltoffene Hauptstadt. Das Land ist ein Mitglied der Europäischen Union und die meisten Menschen sind froh darüber, dass sie nun zum zweiten Mal die Unabhängigkeit ihres Landes miterleben können. Estland ist ein dünn besiedeltes Land. Von den rund 1,3 Mio. Einwohnern des Landes leben allein über ca. 400 000 Menschen in Tallinn. Das sind rund 30% der Gesamtbevölkerung des Landes. Wer Estland und die Hauptstadt Tallinn besuchten möchte, der kann es mit dem Flieger tun oder man kommt von der See aus über die Ostsee. Bis Helsinki sind es von Tallinn gerade einmal 80 km. Die Überfahrt dauert etwa 2,5 Stunden.
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Reiseziele Estland – der Norden – Tallinn Altstadt kurz zusammengefasst:
- Geschichte der Stadt Tallinn
Sehenswürdigkeiten der Stadt Tallinn
Domberg /Toompea
- Kommandantenhaus
- Ordensburg
- Schloss
- Schlossplatz
- Alexander- Newski- Kathedrale
- Domgilde
- Domschule
- Domkirche
- Gebäude der Ritterschaft
- Adelshäuser
- Aussichtsplattform
Unterstadt von Tallinn
- Stadtmauer
- Rathausplatz (Raekoja plats)
- Rathaus
- Pikk- Lange Straße
- Heiliggeistkirche
- Große Gilde
- Kanutgilde
- Olaigilde
- Schwarzhäupterhaus
- Rosensches Haus
- Drei Schwestern
- Dicke Margarete
- Stadtmauer von Tallinn (Reval)
- Olaikirche
- Naturkundemuseum
- Ehemaliges Michaelskloster
- Alter Markt
- Lehmpforte
- Katharinenkloster, Dominikanerkloster
- Orthodoxe Kirche St. Nikolais des Wundertäters
- Stadtmuseum
- Nikolaikirche
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Geschichte der Stadt Tallinn
Obwohl das Gebiet um Tallinn schon zu Beginn unserer Zeitrechnung besiedelt wurde, ist die Stadt urkundlich um 1154 auf einer Weltkarte eines arabischen Geographen vermerkt worden. Es war im Jahr 1219 als der dänische Herrscher Waldemar II. die Stadt eroberte und die altestnische Burg zerstören lies. Die Dänen bauten eine neue Burg und im Umfeld entstand eine Handwerkersiedung. Um 1265 begann man die Stadt zu befestigen und im 14. Jh. war die Befestigungsanlage, so wie wir sie heute noch sehen, fertig gestellt. Im Jahr 1346 verkauften die Dänen ganz Nordestland und auch Tallinn an den Deutschen Ritterorden, der die Stadt dann durch den Livländischen Orden verwalten lies. Unabhängig von der politischen und christlichen Macht des Ordens erhielt die Stadt 1238 das Stadtrecht. Es war in Anlehnung an andere Hansestädte als „Lübecker Stadtrecht“ eingeführt worden und behielt bis ins 19. Jh. seine Gültigkeit. Mitglied der Hanse wurde Tallinn (Reval) jedoch erst um 1300. Als Hansestadt gelangte Tallinn durch den Handel mit den östlichen Gebieten, wie zum Beispiel Nowgorod, zu Reichtum. Die Waren von Reval wurden nachweislich nach Holland und sogar bis nach Portugal geliefert. Die Blütezeit erlangte die Stadt im 15. Jahrhundert. Später dann, mit dem Ausbruch des Livländischen Krieges 1558, wurde der Ordensstaat besiegt und Livland geriet unter schwedische Herrschaft. Während der Schwedenherrschaft begannen die Auseinandersetzungen mit dem Zarenreich. 1570 belagerten zaristische Truppen unter Iwan dem Schrecklichen Tallinn. Es gelang ihnen jedoch nicht die Stadt einzunehmen. Erst mit dem Großen Nordischen Krieg, der von 1700 bis 1721 wütete, wurde Nordestland russisches Gebiet. Im 18. Jh. war Tallinn Gouverneurshauptstadt und mit dem Bau der Eisenbahnstrecke von Tallinn nach Sankt Petersburg erfuhr die Stadt einen wirtschaftlichen Aufschwung. Die Kriegswirren des Ersten Weltkrieges verschonten Tallinn und am 24.02. 1918 wurde die Unabhängigkeit Estlands erstmals ausgerufen. Diese Unabhängigkeit dauerte jedoch nur bis 1940, dann wurde Estland durch die damalige Sowjetunion, unter Stalin, zwangsrekrutiert. Während des Zweiten Weltkrieges wurde die Stadt 1941 durch Deutsche Truppen besetzt und in der Folge wurde verbittert um sie gekämpft. Russische Bombenangriffe zerstörten 1944 über die Hälfte der Bausubstanz Tallinns. Nach dem Krieg übernahm Sowjetrussland wieder die Macht in Estland, die Stadt wurde wieder aufgebaut und Sehenswertes restauriert. 1988 begann dann der friedliche Widerstand gegen die sowjetische Besatzung. Die machtvollen Demonstrationen zum Sängerfest 1988 führten dann zur Wiedergeburt der Republik Estland 1991. Seit dieser Zeit ist Tallinn wieder die Hauptstadt der Republik Estland.
Sehenswürdigkeiten der Stadt Tallinn
Um einen Überblick über die Altstadt von Tallinn zu bekommen, macht man am besten einen Spaziergang auf den Domberg. Von den beiden Aussichtsplattformen des Burgberges kann man den Hafen und die Altstadt sehr schön sehen. Die Burganlage selbst ist eine Attraktion. Neben der Burg sind das Schloss, die Domkirche und die Alexander- Newski- Kathedrale ein besonderes Highlight.
Ein zweiter Hauptkomplex der Besichtigung ist die Erkundung der historischen, mittelalterlichen Stadtteile. Als Ausgangspunkt eignet sich am besten das historische Rathaus mit dem Rathausplatz. Von hier aus kann man die vielen schmalen Gassen, die Heiliggeistkirche, die Olaikirche, das Schwarzhäupterhaus, die Dicke Margarete (Wehrturm) und die Nicolaikirche erkunden.
Für die Besichtigung der Burganlage und der Stadt sollte man einen oder sogar zwei Tage einplanen. Einen weiteren Tag kann man dann für den Besuch von Schloss Kadriorg, das Brigittenkloster und weitere Sehenswürdigkeiten außerhalb der Stadt Tallinn vorsehen.
Domberg /Toompea
Kommandantenhaus
Der Weg zum Domberg führt vorbei am Kommandantenhaus. Das Gebäude stammt aus dem 17. Jahrhundert. Heute besitzt das Haus ein flacheres Dach und die Fassade ist in schlichtem Stil gehalten. Im 17. Jh. lebte einst der Urgroßvater Alexander Puschkins als Kommandant auf der Burg. Wegen seiner äthiopischen Abstammung und der dunklen Hautfarbe nannte man ihn nur „Mohr von Peter I.“ .
Ordensburg
Es sind nur wenige Schritte vom Kommandantenhaus bis zur Ordensburg. Vom Schlossplatz aus blickt man auf die Fassade des Tallinner Schlosses. Das Schloss liegt im Südwesten des Domberges (Toompea). Die Ordensburg zählt zu den größten und mächtigsten Wehrbauten in Nordestland. Bevor die Dänen auf dem Hügel von Tallinn (Reval) eine Steinfestung erbauten, gab es eine altestnische Befestigungsanlage aus Holz. Mit dem Verkauf Nordestlands an die Ordensritter 1346, fiel auch Tallinn an den Orden. Die wiederum bauten die vorhandenen Burganlagen um. Unter dem Livländischen Orden entstanden das Konventgebäude, Teile der westlichen Befestigungsmauer, der Bergfried des „Langen Hermanns“ Und der Hängeturm (Pilsticker). Aus der dänischen Periode sind hingegen die nördliche Mauer und der Landskronenturm geblieben.
Schloss
Teile der östlichen und südlichen Befestigungsmauer wurden in der zweiten Hälfte des 18. Jh.s abgerissen. An deren Stelle entstand 1767- 1773 das Residenzschloss für den Gouverneur von Estland. Dieser wurde vom Zaren eingesetzt. Architekt und Baumeister war der Jenaer Johann Schulz. 1922 erbaute man noch das Gebäude der Staatsversammlung (Riigikogu), nachdem das Konventgebäude zuvor durch einen Brand zerstört worden war. Mit den baulichen Veränderungen auf dem Burgberg war der Festungscharakter verloren gegangen.
Schlossplatz
Ursprünglich im barocken Stil angelegt, ist heute nur noch die Nordseite im Original erhalten geblieben.
Alexander- Newski- Kathedrale
Etwas ungewöhnlich erscheint die überdimensionierte orthodoxe Alexander- Newski- Kathedrale. Die Kathedrale wurde als Zeichen der Zarenmacht in den Jahren 1894 bis 1900 auf dem Domberg erbaut. Die Kathedrale besitzt fünf Kuppeln. Das Hauptportal ist mit zwei sehr aufwendigen Mosaiken verziert. Im Inneren ist sie üppig mit Schmuck und Ikonen versehen. Der gigantische Bau spiegelt sich auch in der Größe der Kirchenglocke wieder. Die größte von ihnen hat ein Gewicht von 11 t und ist Estlands größte Kirchenglocke.
Domgilde
In der Gasse Toom- Kooli Nr. 9 stand zu Anfang des 16. Jh.s das Gebäude der Domgilde. 1684 brannte das Haus nieder und wurde im Jahr 1843 durch einen klassizistischen Bau ersetzt.
Domschule
Die Domschule wurde schon um 1319 erstmals erwähnt und befand sich seit Jahrhunderten in der
Toom- Kooli Nr. 4. Seit 1691 ist das alte Holzhaus durch ein Steingebäude ersetzt worden. Von 1765 an war der Besuch der Domschule nur noch adligen Nachkommen der Ritterschaft vorbehalten, später wurde es Gymnasium. Mit der russischen Besetzung Estlands 1940 wurde das Gymnasium geschlossen.
Domkirche
Die Domkirche ist der Jungfrau Maria gewidmet. Sie ist ein beeindruckendes und würdevoll anmutendes Bauwerk aus dem 13. Jahrhundert. Schon die Dänen erbauten um 1219, kurz nach der Eroberung Tallinns, einen ersten Sakralbau, der danach durch den Orden in eine dreischiffige Hallenkirche mit einem quadratischen Grundriss umgestaltet wurde. Aus dänischer Zeit sind lediglich der Chor und die polygonale Apsis erhalten geblieben. Das gotische Langhaus, in Verlängerung des Chors und die Kapelle des Hl. Georg an der Nordseite des Doms stammen aus dem 15. Jahrhundert. Im Süden der Domkirche sind noch einige Anbauten an die eigentliche Außenfassade hinzugefügt worden. Es handelt sich um die Südwestkapelle, die Vorhallen und die Grabeskapelle für Otto Wilhelm von Fersen. Auch vor Bränden wurde das Gotteshaus nicht verschont. So brannte sie 1684 nieder, wurde aber schon 1686 wieder für Gottesdienste genutzt. Der spätbarocke Westturm wurde als letzte große Baumaßnahme 1779 vollendet.
Im Inneren erwarten den Besucher eine Vielzahl künstlerisch wertvoller, barocker Innenausstattungen. Zu den schönsten Stücken gehören der Altar und die Kanzel. Sie stammen von Christian Ackermann. Sehr beeindruckend sind die vielen farbig gestalteten Wappenschilder des baltischen Adels. Auch die lebensgroßen Darstellungen des einstigen schwedischen Stadthalters Pontus de la Garde mit seiner Gemahlin sind beeindruckend. Die Domkirche besitzt einige Grabmale bedeutender Persönlichkeiten, die man während des Rundgangs besichtigen kann.
Gebäude der Ritterschaft
Östlich des Doms, in unmittelbarer Nähe zur Domkirche, befindet sich das Gebäude der Ritterschaft. Das repräsentative Bauwerk wurde um 1840 erbaut und diente der estnischen Ritterschaft als Versammlungsort. Heute wird das Gebäude als Estnisches Kunstmuseum benutzt. Hier werden die Bilder estnischer, wie baltischer Künstler ausgestellt.
Adelshäuser
Die Adelshäuser in unmittelbarer Nähe zur Domkirche sind im Wesendlichen erst nach dem Brand von 1684 entstanden. Einige der Häuser stammen auch aus dem ausgehenden 18. Jahrhundert. Die Südostfassade der Häusern am Rand des Abhangs stammen vom Stadtbaumeister Carl Ludwig Engel. Er kam aus Deutschland und wirkte viele Jahre seines Lebens in Finnland als bedeutender Baumeister des 19. Jahrhunderts.
Aussichtsplattform
Einer der schönsten Blicke auf die altehrwürdige Stadt bietet sich vom Aussichtspunkt am Ende der Kohtu. Von hier aus schaut man auf die Türme und Dächer der Unterstadt.
Unterstadt von Tallinn
Stadtmauer
Ein eindeutiger Beweis, dass sich die Burgherren mit den Ständen der Handwerker und Kaufleute der Stadt nicht einig waren und Einer dem Anderen nicht traute, ist die separate Stadtmauer Tallinns. Durch die körperliche Trennung von Burg und Stadt war es möglich, dass sich unter dem Einfluss der Hanse eine sehr fortschrittliche Entwicklung einstellen konnte. Voraussetzung war auch das Lübecker Stadtrecht und damit die freie Entfaltung der bürgerlichen Kultur. Die Stadtmauer ist im Wesentlichen noch erhalten. Sie schützte die Stadt seit dem 14. Jahrhundert. Beginnend am Mägdeturm verläuft sie bis zum Torturm des Lühike jalg und über den Bergrücken bis zum Tor des Pikk jalg. In südöstlicher Richtung, vom Mägdeturm aus, wurde der Geschützturm „Kiek in de Kök“ im 15. Jh. mit in die Befestigung der Stadt einbezogen. Er stand eigentlich außerhalb der Stadtmauer. Seinen Namen verdankt er dem Umstand, dass man vom Turm aus den Bewohnern der Stadt in die Küchen schauen konnte. Heute ist im Turm ein Teil des Stadtmuseums untergebracht. Es zeigt einen Teil der Stadtgeschichte Tallinns auf.
Rathausplatz (Raekoja plats)
Das Aussehen des historischen Rathausplatzes bestimmt das altehrwürdige Rathaus. Erbaut wurde es in der Mitte des 14. Jahrhunderts. Direkt am Marktplatz, im Haus Nr. 15, ist seit 1378 die Rats - oder Stadtkanzlei untergebracht. Dieses Gebäude besitzt ein beeindruckendes Kellergewölbe. Eines der alten Handwerkerhäuser ist mit der Hausnummer 12 bezeichnet. Die Innenarchitektur mit den rustikalen Holzdecken ist noch im Original aus dem Mittelalter erhalten geblieben. Gegenüber dem Handwerkerhaus in der Nr. 11 ist die Ratsapotheke untergebracht. Sie existiert es schon seit dem Mittelalter.
Rathaus
Sehr beeindruckend und architektonisch sehr wertvoll ist der gesamte Baukörper des Tallinner Rathauses. Erbaut wurde es in der Mitte des 14. Jahrhunderts. Es diente als Sitz der Ratsherren und besaß eine Büttelei im Keller, das Stadtgefängnis. Noch heute gibt es die Häftlingszellen. Sie werden jedoch nur noch im Rahmen von Museumsbesuchen von Delinquenten aufgesucht. Im historischen Rathaus befindet sich noch das Museum zur Geschichte der estnischen Fotokunst.
Das Rathaus ist im Baltikum das Einzige stilechte spätgotische Bauwerk. Innen und außen ist es so geblieben, wie die Bauherren es in den Jahren 1402 bis 1404 erschaffen haben. Eine Ausnahme bildet der der achteckige Turm an der nach Osten gerichteten Giebelwand. Dieser wurde erst 1628 in der Form gestaltet, wie wir ihn heute sehen können. Die Wetterfahne, der „Alte Thomas“, stand schon seit 1530 auf der ersten Turmspitze. Er ist auch das Wahrzeichen der Stadt. In luftiger Höhe gibt es einen Rundgang. Von oben hat man einen sehr schönen Blick über die Stadt und in die Küchen der Häuser.
Pikk- Lange Straße
Nördlich vom Rathaus verläuft die Hauptstraße der Altstadt von Südwesten nach Nordosten in Richtung Hafen. Sie ist die wichtigste Straße der Altstadt und war die Hauptmagistrale vom Domberg zum Hafen. Die Lange Straße wird von reich geschmückten Gildehäusern gesäumt, hier findet man auch die Heiliggeistkirche.
Heiliggeistkirche
Die Heiliggeistkirche wurde in der ersten Hälfte des 13. Jh. erbaut und im 14. Jh. nochmals umgebaut. Man benutze sie aber auch als Siechenhaus und später als Ratskapelle. Die Bauform ist ein zweischiffiges Langhaus. An der Nordseite liegt der quadratische Chorraum. Im achteckigen Turm der Heiliggeistkirche hängt die älteste Glocke Estlands. Sie stammt aus dem Jahr 1433 und ist heute noch im Betrieb. Sehenswert ist auch die sehr schön und bunt bemalte Holzuhr an der Nordwand der Kirche. Sie wurde 1688 von Christian Ackermann geschaffen. Auch der Verfasser der „Livländischen Chronik“, der Pfarrer Balthasar Russow wirkte einige Jahre in der Kirche. Im Inneren des Gotteshauses zählt der 1483 geschaffen Flügelaltar mit den sehr schönen Gemälden und Holzskulpturen zu den Sehenswürdigkeiten. Auch das Gestühl mit den Reliefabbildungen ist künstlerisch wertvoll.
Große Gilde
Gegenüber der Heiliggeistkirche befindet sich das Haus der Großen Gilde. Es wurde im typischen Stil hanseatischer Baukunst jener Zeit erschaffen. Errichtet wurde es im Auftrag der Kaufleute und Schiffseigner in den Jahren 1407 bis 1410. Im 15. Jh. gab es im Haus nur zwei große Gewölbehallen. Erst später wurden die Räume durch Zwischenwände verkleinert. Noch heute kann man viele Gegenstände im und am Haus aus dem 15. Jh. bewundern. Heute ist in der Großen Gilde das Museum für Estnische Geschichte untergebracht.
Kanutgilde
Man erkennt das Gebäude am Tudorbaustil aus dem 19. Jahrhundert. Die Mitglieder dieser Gilde zählten zu den feineren, edleren Handwerkern der Tallinner Gesellschaft.
Olaigilde
Nur zwei Häuser weiter steht das Haus der Olaigilde. Es ist das Gildehaus der einfacheren Handwerkerzünfte. Erbaut wurde es in den Jahren 1419 bis 1424. Beeindruckend ist der zweischiffige Gildesaal mit seinem Sterngewölbe. Das Gebäude wurde später mit dem Schwarzhäupterhaus baulich vereint. Heute werden die Bauten für kulturelle Veranstaltungen genutzt.
Schwarzhäupterhaus
Die Bruderschaft der Schwarzhäupter hat den Kopf eines Mohren zum Wappen. So ist es auch in Tallinn. Die Renaissancefassade des Hauses und die kunstvollen Details lassen den Betrachter staunen. Das Haus ist im niederländischen Stil des 16. Jh.s erbaut worden. Besonders schön ist die Eingangstür des Hauses. In vielen Hansestädten, so auch in Riga, Pernu (Pernau) und Dopart gab es die Bruderschaft der jungen und ledigen Kaufleute, die unter dem Schutzpatron des heiligen Mauritius wirkten. Zu Beginn der Bruderschaft war es der Hl. Georg, der Beschützer der Ritter und Krieger, unter dessen Schutz die Schwarzhäupterbruderschaft stand. Noch heute gibt es in Riga und Tallinn (Reval) die Bruderschaften. In Riga nennen sie sich „Compagnie der Schwarzen Häupter“ und in Tallinn „Bruderschaft der Schwarzhäupter“. Beide Bruderschaften haben unterschiedliche Ziele und Inhalte in ihrer Tätigkeit. Auch das Schwarzhäupterhaus wird heute für kulturelle Anlässe genutzt.
Rosensches Haus
Dieses dreigeschossige barocke Adelshaus steht gleich neben dem Schwarzhäupterhaus. Sehr schön ist die Fassade und der Giebel, der mit einem Wappen geschmückt ist.
Drei Schwestern
Folgt man der Pikk weiter in nordöstlicher Richtung zum Hafen, dann gelangt man zur Tolli Straße. Hier befindet sich der aus drei Häusern bestehende Gebäudekomplex der „Drei Schwestern“. Die drei aneinander stehenden Gebäude sind Speicherhäuser. Man erkennt sie an den Lastenbalken mit der Umlaufrolle, die am Giebel zentrisch über den darunter liegenden Türöffnungen angebracht sind. Die oberen Etagen waren Lagerräume und unten wohnte man. Das Kontor war auch zu ebener Erde. Die Gebäude stammen aus dem 15. Jahrhundert. Sehr schön ist der Giebel eines der Häuser mit Blendnischen verziert.
Dicke Margarete
Nur wenige Schritte sind es noch bis zur Stadtmauer und dem dicken Geschützturm, der auch Dicke Margarete genannt wird. Gleich daneben befindet sich auch die große Strandpforte ( Strandtor). Sie erlaubt das Verlassen der Altstadtbefestigung und gibt den Weg zum Hafen frei. Heute ist nur nach das äußere Tor mit dem Geschütztor erhalten geblieben. Die Dicke Margarete besitzt vier Stockwerke und hat einen Durchmesser von etwa 24 m. Heute beherbergt der Turm das Estnische Museum für Seefahrt.
Stadtmauer von Tallinn
Ausgangspunkt für die Besichtigung ist die Strandpforte. Von hier aus verläuft die Befestigungsmauer in Richtung Süden. Die Stadtmauer umschließt die westliche Unterstadt Tallinns. Mit dem Bau wurde um 1265 begonnen. In der ersten Hälfte des 15. Jh.s hatte die Mauer eine Länge von ca. 2,4 km. Zwischen den Mauerabschnitten befanden sich 45 Wehr- und Tortürme sowie zusätzliche Treppenaufgänge, um im Falle einer Belagerung kurzfristig die Verteidigung zu organisieren. Tallins Stadtmauer war im Mittelalter die bedeutendste und modernste Befestigungsanlage in Nordeuropa. Von der einstigen Anlage sind heute noch 1,9 km Mauer und 26 Wehrtürme erhalten geblieben. In einigen Türmen wohnen sogar noch die Nachkommen der Verteidiger. Andere wieder sind der Öffentlichkeit zugängig und werden für Ausstellungen oder als Museen genutzt.
Olaikirche
Zwischen den parallel laufenden Altstadtstraßen Pikk und Lai liegt die Olaikirche. Das heutige Aussehen erhielt die imposante mittelalterliche Kirche im 15. Jahrhundert. Von der architektonischen Gestaltung her ist sie eine Basilika. Sie besitzt einen dreischiffigen Innenraum. Der Chor mit seinem Sternengewölbe stammt aus dem Jahr 1424 und ist der Spätgotik zuzuordnen. Das Langhaus sowie das Mittelschiff sind in den Jahren 1436 bis 1450 entstanden. Das Mittelschiff besitzt eine Höhe von 31 m. Leider sind bei einem Brand zu Beginn des 19. Jh.s viele Einrichtungsgegenstände verloren gegangen. Heute ist das Kircheninnere im neogotischen Stil gehalten. Wer gut zu Fuß ist, der kann den Turm der Okaikirche besteigen. Aus etwa 60 m Höhe bietet sich ein toller Ausblick auf Land und Leute.
Naturkundemuseum
Folgt man der Lai in Richtung Marktplatz, dann gelangt man auf halber Strecke zum Naturkundemuseum. Es befindet sich in der Lai 29. In einem ehemaligen Speicherhaus in der Lai Nr. 17 ist das Kunstgewerbemuseum eingerichtet.
Ehemaliges Michaelskloster
Weiter, Richtung Zentrum, beginnt der Komplex des Zisterzienserklosters. Es ist dem Hl. Michael geweiht und bestand von 1249 bis 1629. Noch heute kann man das klösterliche Leben erahnen, wenn man die Kreuzgänge oder die zweischiffigen Gewölbesäle durchschreitet. Sehenswert sind der Ost - und Nordflügel mit der Klausur. Nach der Schließung des Klosters gab es hier um 1631 ein Knabengymnasium. Später, nach 1633, war der Gebäudekomplex eine Druckerei. Die Klosterkirche wurde um 1716 während des Nordischen Krieges unter zaristischer Herrschaft eine Orthodoxe Kirche. Sehenswert im Inneren des Gotteshauses ist der barocke Ikonostas.
Alter Markt
Im östlichen und südlichen Altstadtbereich befinden sich auch noch einige bedeutende Sehenswürdigkeiten. Vom Rathausplatz aus führt eine schmale Gasse, die Vanaturu kael zum alten Markt. ( Vana turg). Den kleinen Platz säumen Häuser aus dem 17. Jahrhundert.
Lehmpforte
Gleich in der Nähe, westlich des Alten Marktes, kann man die spitzen Türme des östlichen Stadtausganges erblicken. Beide Türme der Lehmpforte stammen aus dem Jahr 1454.
Katharinenkloster/ Dominikanerkloster
In der östlich vom Rathaus verlaufenden Straße Vene befindet sich noch ein Kloster. Das Katharinenkloster wurde 1246 zum Dominikanerkloster geweiht. Seit 1531 ist nach einem Brand nur noch eine Ruine zu sehen. Auf dem Gelände des Klosters findet man auch noch die Überreste der einst größten Klosterkirche. Von der stattlichen Klosterkirche sind noch einige mittelalterliche Grabplatten und die spätgotischen Portale zu sehen. An der Stelle, wo früher das Refektorium des Klosters stand, steht heute die 1845 geweihte Katholische Kirche Tallinns.
Orthodoxe Kirche St. Nikolais des Wundertäters
Nur wenige Schritte von der Katholischen Kirche entfernt liegt die orthodoxe Kirche St. Nikolais des Wundertäters. Erbaut wurde sie von russischen Kaufleuten, die aus dem Gebiet um Nowgorod stammten. Ein Vorgängerbau aus dem 15. Jh., der sowohl als Warenlager und Kirche diente, wurde durch das heutige klassizistische Gotteshaus aus dem Jahr 1820 ersetzt.
Stadtmuseum
An der gegenüberliegenden Straßenseite steht ein sehr schönes Patrizierhaus mit einer künstlerisch wertvollen Außenfassade und einem gotischen Portal. Hier in der Vene 17, ist das Stadtmuseum untergebracht. Gezeigt werden Bilder der Schwarzhäupter- Sammlung, Teppiche, Silbergegenstände und Fayencen. Die Hauptausstellung zeigt die Geschichte der Stadt Tallinn in der Zeit von 1700 bis 1918.
Nikolaikirche
Südwestlich vom Rathaus, in der Nähe des Geschützturms „Kiek in de Kök“, liegt die Nicolaikirche. Es waren deutsche Kaufleute, die dieses Gotteshaus 1230 erbauen ließen. Die Nikolaikirche ist nach dem Muster einer norddeutschen Kaufmannskirche erbaut worden. Zu Beginn des 15 Jh.s wurde die Kirche zu einer Basilika umgebaut. Auch der Chor wurde neu errichtet. 1944 wurde die Kirche zerstört und danach wieder aufgebaut. Heute befinden sich hier ein Konzertsaal und ein Teil des Estnischen Kunstmuseums, das sakrale Kunstgegenstände zeigt. Bemerkenswert sind der Hauptaltar des Lübeckers Hermen Rode von 1481 sowie der „Totentanz“ des Lübeckers Bernt Notke vom Ende des 15.Jahrhunderts.
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