Jordanien
Das Haschemitische Königreich Jordanien befindet sich in Vorderasien. Es ist ein bekanntes Reiseziel für Kultur- und Pilgerreisen. Im vielgestaltigen Land gibt es zahlreiche Gebirge mit zerklüfteten Bergen bis zu einer Höhe von 1 754 m (Dschabal Rum). Daneben besteht ein Grossteil Jordaniens aus heißen Wüsten. Der Jordangraben führt zum Toten Meer im tiefsten Punkt der Erdoberfläche, 395 m unter dem Meeresspiegel, gelegen. Die Hauptstadt des Hashemitischen Königreiches ist Amman. Die lebendige Stadt empfängt den Besucher als hochmoderne, westliche Großstadt, durchsetzt mit orientalischen Einflüssen. Das Stadtbild wird geprägt von Hochhäusern und Minaretten aber auch von vornehmen Vierteln mit noblen Villen. Hochkultur gab es in Jordanien schon in der Antike. Beispielgebend dafür ist das alte Gerasa, das heutige Jerash, nördlich von Amman. Die Ruinenstadt mit ihren Tempeln, Kirchen und Theatern ist das wichtigste historische Baudenkmal des Landes. Im Kontrast dazu steht das ganz im Süden gelegene Aqaba am Roten Meer. Hier laden die palmengesäumten Sandstrände zum Entspannen und Erholen ein. Im Roten Meer mit seinem kristallklaren Wasser und den herrlichen Korallenriffen kann man die einzigartige Schönheit der Unterwasserwelt entdecken. Ganz in der Nähe findet man das Wadi Rum, es gilt als eine der schönsten Wüstenregionen der Welt, geprägt von rotem Sand und bizarren Felsformationen. Absolutes Highlight für jeden Jordanienbesuch ist Petra, die Hauptstadt der Nabatäer. Von besonderer Faszination ist die im Talkessel versteckte Felsenstadt aus rosa Stein. Biblische Geschichten werden mit Leben erfüllt beim Besuch des Berges Nebo, von dem Moses in das gelobte Land geblickt haben soll. Ebenso beeindruckt Bethanien, hier soll Johannes der Täufer Jesus getauft haben. Trotz seiner schwierigen geografischen Lage, umgeben von den Krisenherden im Nahen Osten, ist es dem Königreich Jordanien gelungen, das Land immer mehr für Besucher zu öffnen. Zahlreiche neue Hotels und Resorts für Kultur- und Pilgerreisende wurden eröffnet. Daneben hat man Naturschutzgebiete mit Wanderwegen eingerichtet, die den Besuchern auf geführten Touren die Schönheiten des beeindruckenden Landes näher bringen.
Reiseinformationen – Jordanien – kurz zusammengefasst:
- Natur
- Politik und Wirtschaft
- Geschichte
Mehr Informationen:
Natur
Die Landschaft Jordaniens wird von Wüste, Gebirge und Meer geprägt. Man unterteilt das Land in drei Großlandschaften, die Große Grabensenke, das jordanische Hochplateau und die Wüstenregion. Die Große Grabensenke, die Jordansenke, erstreckt sich vom See Genezareth über das Tote Meer bis hin zum Golf von Aqaba. Die 400 km lange und bis zu 20 km breite Senke ist ein Erdbebengebiet. Sie erreicht am Grunde des Toten Meeres eine maximale Tiefe von 829m unter dem Meeresspiegel. Das Jordanische Hochplateau zeigt im Westen zum Jordan hin hohe Gipfel und steile Schluchten. Die Ostseite geht moderater zum jordanischen Wüstenplateau über. Es gliedert sich vom Norden nach Süden in die Regionen Gilead, Moab und Edom. Die Gebirgslandschaft Gilead liegt im Nordosten des Toten Meeres. Im dünnbesiedelten, bewaldeten Norden werden Wein, Obst, Gemüse und Tabak angebaut. Im dichtbesiedelten Süden liegt die Hauptstadt Amman. Im niederschlagsreichen Bergland von Moab wird hauptsächlich Getreide angebaut. In Edom, dem südlichen Teil des ostjordanischen Berglandes befinden sich die berühmte Nabatäerstadt Petra und das Wadi Rum. Entgegen dem wildzerklüfteten und trockenen Süden von Edom wird im niederschlagsreicheren nördlichen Teil auch Landwirtschaft betrieben. Etwa vier Fünftel Jordaniens besteht aus Wüstenregionen, darunter Wüstensteppe, Stein – und Lavawüste. Der Nordosten wird von der Basaltwüste geprägt, südlich schließt sich die schönerer Stein- und Sandwüste um das Wadi Rum an. Die größten Gewässer des Landes sind der Jordan und der Yarmuk, sie sind die einzigen Flüsse, die ganzjährig Wasser führen und somit auch zur Wasserversorgung dienen. Die Wasserversorgung stellt für Jordanien ein großes Problem dar. Es gibt wenig Niederschläge und die Nutzung des Jordan wird von Israel kontrolliert. Beim Klima von Jordanien herrscht eine Dreiteilung vor. So hat der Nordwesten mit heißen, trockenen Sommern und kühlen, feuchten Wintern ein Mittelmeerklima. Die Niederschlagsmengen betragen jährlich 800 mm. Im Osten und Süden dagegen gibt es wesentlich weniger Niederschläge. Im größten Teil des Landes herrscht kontinentales Wüstenklima. Die mittleren Temperaturen liegen im Sommer bei 31 - 38°C und im Winter bei 13 - 19°C. Die großen Trockengebiete sind nur kärglich mit Dornensträuchern wie Tamarisken und Schirmakazien bewachsen. Eine große Pflanzenvielfalt bietet das subtropische Jordantal und artenreich ist auch die Gebirgsflora im Norden. Das ursprünglich stark bewaldete Land, das in der Vergangenheit systematisch abgeholzt wurde, wird nun auch wieder aufgeforstet. Es gibt überwiegend Kiefern, Zypressen, Eichen und Akazien. Trotz der kargen Vegetation sind zahlreiche Tiere in Jordanien beheimatet. Es gibt Hyänen, Wildkatzen, Wölfe, Gazellen und Steinböcke aber auch Geier, Steinadler, Eidechsen, Skorpione und Schlangen. Vielfältig ist die Unterwasserwelt des Roten Meeres mit seinen artenreichen Korallenriffen, in denen zahlreiche Fische leben. Mit der Schaffung von Naturschutzgebieten ist man bestrebt, die Vielfalt von Flora und Fauna zu schützen und zu erhalten.
Politik und Wirtschaft
Jordanien hat etwa 5,5 Millionen Einwohner. Ungefähr 90% davon leben im fruchtbaren Westen und Nordwesten des Landes. Die Einwohnerzahl Jordaniens hat sich in den letzten 60 Jahren auf das Vierzehnfache erhöht. Ein Umstand, der vor allem auf den hohen Anteil palästinensischer Flüchtlinge zurückzuführen ist. Ihr Anteil beträgt heute bis zu 60% der Gesamtbevölkerung. Nur noch 5% der Bevölkerung sind Beduinen, deren ursprüngliche Lebensweise immer mehr verloren geht. Von der großen Zahl der Palästinenser leben etwa 305 in Flüchtlingslagern, in denen sie schon seit Jahrzehnten darauf hoffen, in ihre Heimat zurückkehren zu können. Ein Großteil der Palästinenser ist heute erfolgreich in Jordanien integriert. Sie bekleiden oft hervorragende Positionen in Politik und Wirtschaft. Das jordanische Königshaus achtet dabei jedoch darauf, dass Schlüsselpositionen in Armee und Verwaltung mit Jordaniern besetzt sind. Jordanien hat, verglichen mit dem benachbarten arabischen Raum, ein hohes Bildungsniveau. Neben staatlichen Bildungseinrichtungen gibt es zahlreiche Privatschulen und mehr als 20 Universitäten. Trotz guter Bildungschancen auch für Frauen ist die jordanische Frau, unter anderem traditionell bedingt, nicht gleichberechtigt. Zahlreiche Frauenprojekte wirken dem entgegen. Noch immer wird der sogenannte Ehrenmord, dem zahlreiche Frauen zum Opfer fallen, wenig oder gar nicht bestraft. Das Haschemitische Königreich Jordanien ist eine konstitutionelle Erbmonarchie. Der König ist das Staatsoberhaupt, das mit legislativen und exekutiven Befugnissen derart ausgestattet ist, dass er den Regierungskurs des Landes allein bestimmt. Staatsreligion in Jordanien ist der Islam, wobei für andere Glaubensrichtungen Religionsfreiheit besteht. Seit 1999 ist König Abdullah II. im Amt und seitdem um Reformen bemüht, die unter anderem Armut und Arbeitslosigkeit bekämpfen sollen.
Jordanien hat wenig Wasser, fast keine Bodenschätze und auch kein Öl. Eine Ausgangslage, die die Wirtschaft des Landes vor große Herausforderungen stellt.
In den fruchtbaren Gebieten des Jordangrabens wird Landwirtschaft betrieben. Die geringe, verfügbare Fläche reicht jedoch nicht aus den Eigenbedarf zu decken. Die Viehhaltung, die die Nomaden betreiben dient gerade deren Eigenbedarf.
In der Industrie bestimmen hauptsächlich kleine und mittlere Betriebe der Nahrungsmittel – und Bekleidungsindustrie das Bild. Jordanien ist der zweitwichtigste Phosphatproduzent der Welt. Auch die Kunstdünger – und Pottascheherstellung sind von Bedeutung. In der jüngsten Vergangenheit hat der Tourismus einen steten Aufschwung genommen. Zahlreiche Hotelneubauten sind entstanden. Daneben erschließt man die schönsten Naturschutzgebiete für den Tourismus.
Geschichte
Die Geschichte Jordaniens führt bis in die Steinzeit zurück und erste Nachweise von Jägern und Sammlern werden auf 180 000 v. Chr. datiert. Zwischen 8 000 v. Chr. bis 5 000 v. Chr. entstanden die ersten Städte, darunter auch Jericho, die älteste Stadt der Welt. Während der Bronzezeit von 3 600 – 1 200 v. Chr. entwickelten sich neue Siedlungen. Mit der Eisenzeit um 1 200 – 332 v. Chr. soll es unter der Führung von Moses zur Einwanderung des Volkes Israel gekommen sein. Auf der legendären Königsstraße, einer alten Handelsstraße, sollen die Israeliten nach Norden gezogen sein. In der Folgezeit kam es immer wieder zu Auseinandersetzungen zwischen Israeliten und den ostjordanischen Reichen. Um 1 000 v. Chr. eroberte König David die ammonitische Hauptstadt Rabbath Ammon, heute Amman. Seit dem 4. Jh. siedelten am Jordan, die von der arabischen Halbinsel stammenden Nabatäer. Unter Kaiser Trajan wurde 106 n. Chr. das jordanische Gebiet zur römischen Provinz Arabia. In der Schlacht am Yarmuk 636 siegten die Muslime über das Oströmische Reich und eine fast ununterbrochene Epoche islamischer Herrschaft nahm ihren Anfang. Von 1250 bis 1516 gehörte die Region als Teil der Provinz Syrien zum Reich der Mamelucken und bis 1918 zum Osmanischen Reich. Im Ersten Weltkrieg kam es zum Araberaufstand gegen die Osmanen und nach Kriegsende erfolgte der Anschluss an das Königreich Syrien. Im Ergebnis der Konferenz von San Remo im Jahr 1920 erfolgte die Angliederung Jordaniens an britisches Mandatsgebiet. Erst am 25. Mai 1946, dem heutigen Nationalfeiertag, wurde das Land unter König Abdullah I. unabhängig. Nach der Ausrufung Israels als souveräner Staat kam es zum ersten israelisch – arabischen Krieg. 1950 wurde der Staat in Haschemitisches Königreich Jordanien umbenannt. Wegen der Eingliederung palästinensischer Gebiete kam es zum tödlichen Attentat auf König Abdullah. Im Jahr 1953 wurde Hussein I. König von Jordanien. Im Ergebnis des Sechstagekrieges zwischen Israel und den arabischen Staaten verlor Jordanien das Westjordanland. 400 000 Flüchtlinge kamen ins Land. Mit den palästinensischen Flüchtlingen bildete sich die Palästinensische Befreiungsfront, die PLO, die eine Bedrohung für die Monarchie darstellte. Im „Schwarzen September“ wurde die PLO zerschlagen. 1994 gelang es König Hussein I. mit Israel einen Friedensvertrag abzuschließen. Seit 1999 regiert Abdullah II., nach dem Tod seines Vaters. Mit seiner Machtübernahme begann ein umfassender Modernisierungsprozess des Landes. Nach den Terroranschlägen am 11. September 2001 in den USA lag der Tourismus Jordaniens völlig am Boden. Ein weiterer Schlag für die Tourismusbranche waren die Ereignisse vom 9. November 2005, als Bomben in drei Hotels in Amman explodierten und zahlreiche Touristen und Geschäftsleute ums Leben kamen. Der klugen Politik des Herrscherhauses ist es zu verdanken, dass Jordanien heute trotz allem als eines der sichersten Länder im Nahen Osten gilt.
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