In der historischen Provinz Beira Litoral, im Distrikt Coimbra, befindet sich die traditionsreiche Stadt Coimbra. Die „Perle des Mondego“, wie sie auch genannt wird, ist nach Lissabon die bedeutendste Stadt Portugals. Etwa 150 000 Einwohner leben in der Stadt, die sich auf einem Hang, hoch über dem Fluss Mondego, erstreckt. Als alte Universitätsstadt war Coimbra seit Jahrhunderten geistiges Zentrum Portugals. Daneben bietet die malerische „Terrassenstadt“, die auch zeitweilig Residenz der portugiesischen Könige war, zahlreiche Kunst – und Kulturschätze.
- Geschichtliches von Coimbra
Sehenswürdigkeiten von Coimbra
- Praça do Comércio
- São Tiago
- Igreja de Santa Cruz
- Jardim da Manga
- Arco de Almedina
- Sé Velha
- Sé Nova
- Museu Nacional de Machado de Castro
- Universidade Velha
- Convento de Santa Clara – a – Velha
- Convento de Santa Clara – a – Nova
- Portugal dos Pequinitos
- Quinta das Lágrimas
Ausflüge
- Conimbriga
Die Ursprünge der Stadt gehen auf die römische Siedlung Conimbriga zurück. Von den Sueben im 5. Jh. zerstört, erblühte die Stadt neu unter dem Namen Aeminium. Um 715, unter maurischer Herrschaft, entwickelte sich Coimbra zu einem bedeutenden maurischen Zentrum. Zu Beginn des 11. Jh.s. wurde Coimbra zurückerobert und wurde im 12. Jh. Hauptstadt des neuen portugiesischen Königreiches. Nach dem Wechsel der Residenz nach Lissabon bekam Coimbra zum Ausgleich die Universität Lissabons. Sie war 1290 als Escolas Gerães gegründet worden. Bis 1911 war sie die einzige Universität Portugals. Neben der bedeutenden Universität war es das ehemalige Augustinerkloster Santa Cruz, wodurch die Stadt berühmt wurde. Unter anderem studierte hier Luís de Camões, der bedeutendste Dichter Portugals.
Im Jahr 2003 war Coimbra Kulturhauptstadt Portugals. Ein Umstand, der neuen Aufschwung brachte und die Stadt um zahlreiche architektonische Highlights bereicherte.
Die Stadt am rechten Ufer des Mondego teilt sich in die Unterstadt mit den Händlervierteln und in die Oberstadt mit den Universitätsgebäuden.
Der alte Marktplatz von Coimbra befindet sic in der Unterstadt westlich der Rua Visconde da Luz. Hier haben sich Handwerker, Händler und Gewerbetreibende angesiedelt.
Am Marktplatz steht die romanische Kirche São Tiago, die im 11. Jh. errichtet wurde.
An der Praça 8 de Maio befindet sich die Klosterkirche Igreja de Santa Cruz, die 1131 gegründet wurde. Im 16. Jh. wurde sie unter König Manuel I. grundlegend umgebaut. Der Baumeister Boytaca und später Nicolas de Chanterène führten den Umbau im ausschweifenden, verschwenderischen manuelinischen Stil aus. Neben dem prächtigen manuelinischen Portal beeindrucken die spätgotischen Prunkgräber der ersten portugiesischen Könige Afonso Henriques (1139 – 1185) und Sancho I. (1185 – 1211). Von der ursprünglichen prachtvollen Ausstattung zeugt heute noch die Steinkanzel von 1522 an der Nordseite. Die manuelinischen Schnitzereien des Chorgestühls zeigen Szenen der Fahrten von Vasco da Gama sowie Darstellungen aus Camões „Luisaden“. Die Sakristei, die im Stil der Renaissance errichtet wurde, birgt einige bedeutende Bilder der portugiesischen Schule. Sehenswert sind auch die Reliefs im Claustro do Silêncio, dem Kreuzgang der Stille, aus dem 16. Jahrhundert.
Den Entwurf des Jardim da Manga, des Ärmelgartens, soll König João III. auf seinen Ärmel gezeichnet haben. Über eine Treppe erreicht man die Gartenanlage im Osten des Klosterkomplexes. In der Mitte der kleinen Anlage befindet sich ein Kuppelgebäude, das von vier kleinen Kapellen umgeben wird.
Der Weg zur Oberstadt, entlang der Rua Visconde da Luz, führt durch den Arco de Almedina. Der Torbogen erinnert an die Zeit der maurischen Herrschaft, er war Teil der maurischen Befestigungsanlagen. Im 15. Jh. wurde darüber ein Turm im gotischen Stil errichtet. Heute ist hier das Stadtarchiv untergebracht.
Weiter aufwärts, in der Oberstadt, gelangt man zur alten Kathedrale. Der festungsartige Bau wurde im Stil einer romanischen Wehrkirche errichtet. Es war Afonso Henriques, der den Bau der Kirche im 12. Jh. veranlasste. Das schlichte Äußere ziert ein wuchtiges romanisches Westportal. Die Porta Especiosa an der Nordseite der Kathedrale wurde im Stil der italienischen Renaissance ausgeführt. Sie ist ein Werk von Nicolas de Chanterène aus dem Jahr 1540. Die dreischiffige romanische Kirche birgt einen sehenswerten spätgotischen Schnitzaltar, der von den flämischen Meistern Olivier de Grand und Jean de Ypres geschaffen wurde.
Neben der Alten Kathedrale gibt es auch die Sé Nova, die Neue Kathedrale, die man über die Rua do Cabido erreicht. An der Nordseite des Largo da Feira Estudantes erhebt sich die Kathedrale, die im 16./17. Jh. im Stil des Frühbarock errichtet wurde. Bemerkenswert im Inneren sind das Chorgstühl aus Ebenholz, das manuelinische Taufbecken sowie die Gemälde.
Die Universität, hoch über der Stadt, war früher der Königspalast. João III. übergab ihn 1547 der Universität. Neben dem Palastgebäude bilden die Universitätskirche, der Uhrturm und die Kollegiatsgebäude aus dem 18. Jh. den ältesten Universitätskomplex Europas. Über die Porta Férrea, das Eiserne Tor, betritt man den weitläufigen Hof des Universitätsgeländes mit dem Paço das Escolas, dem Schulpalast. Über eine Freitreppe erreicht man die Via Latina, einen Säulengang, in dem die Studenten nur lateinische sprechen durften. Im Schulpalast befindet sich der Sala dos Capelos, der Saal der Doktorhüte. Der große Saal war früher Thronsaal, er ist mit Wappen und Porträts aller portugiesischen Könige geschmückt. Die Universitätskirche, die Capela de São Miguel, war ursprünglich die Schlosskapelle, die 1517 – 1552 errichtet wurde. Der Turm, der sogenannte Torre da Universidade wurde erst 1733 angefügt. Ein kleines Museum im Inneren der Kirche zeigt sakrale Kunst. Das absolute Highlight auf dem Universitätsgelände ist die barocke Biblioteca Joanina. Führungen sind aber nur für Gruppen und nach Voranmeldung möglich. Mit ihrer wundervollen Ausgestaltung gehört die Alte Bibliothek zu den prächtigsten der Welt. Nach dem Vorbild der Wiener Hofbibliothek wurde sie 1716 – 1728 unter João Carvalho Ferreira, nach Entwürfen von Claude Laprade, errichtet. Mehr als 120 000 kostbare, kunstvoll gebundene Bände des 16. – 18.Jh.s und 3 000 mittelalterliche Handschriften werden hier aufbewahrt. Prächtige Decken – und Wandgemälde sowie kostbare Möbel zieren die barocke Universität, die noch bis 1910 benutzt wurde. Nur teilweise zugänglich ist der Jardim Botânico. Der Park mit zahlreichen subtropischen Gewächsen wurde auf Veranlassung des Marquês de Pombal angelegt.
Die Ruinen des gotischen Klosters erreicht man über die Ponte de Santa Clara, die über den Rio Mondego, an dessen linkes Ufer führt. Unglücklicherweise hat man beim Bau nicht an die jährlichen Überschwemmungen des Flusses gedacht, so dass das Kloster bald im Schwemmsand zu versinken drohte. Es war die heilige Königin Isabel, die hier bis 1336 die letzten zehn Lebensjahre weilte und auch beigesetzt wurde. Auch Inês de Castro, die heimliche Geliebte und spätere Gemahlin Pedros I., wurde hier beigesetzt. Als das Kloster zu versinken drohte, wurden beide Gräber exhumiert.
Wegen des Verfalls des alten Klosters errichtete man auf dem Monte Esperança um 1649 ein neues Kloster. Heute ist im Klostergebäude eine Kaserne untergebracht. Die Renaissancekirche, die der heiligen Isabel gewidmet ist, kann aber besichtigt werden. Im Inneren befinden sich der Hauptaltar mit dem silbernen Grabschrein der heiligen Isabel. Dem gegenüber steht der Steinsarkophag der hl. Isabel.
Das kleine Miniaturdorf mit den bedeutendsten Baudenkmälern Portugals sowie Wohnhäusern und Bauten in den ehemaligen Kolonien befindet sich gegenüber dem Convento de Santa Clara – a – Velha.
Nach etwa einem Kilometer in südlicher Richtung erreicht man die Quinta das Lágrimas, das „Landhaus der Tränen“ mit dem Fonte dos Amores, dem „Brunnen der Liebenden“. Hier soll Inês de Castro im Jahr 1355 ermordet worden sein, nachdem sie mit ihrem Geliebten, dem Infanten Pedro, eine glückliche Zeit verbracht hatte. Heute befindet sich in dem Anwesen ein Luxushotel.
Conimbriga ist die größte Ausgrabungsstätte Portugals. Das Ruinenfeld befindet sich etwa 20 km von Coimbra entfernt, nahe der Stadt Condeixa – a – Velha. Bereits 1930 – 1944 begannen die Ausgrabungsarbeiten auf dem etwa 130 000 m² großen Gelände. Die Ausgrabungen wurden 1964 – 1971 fortgesetzt und dauern noch immer an. Die Ruinen stammen von einer römischen Stadt, die vom 2.Jh. v. Chr. bis zu ihrer Zerstörung durch die Sueben im 5. Jh. bestand. Die römische Stadt wurde auf einer ursprünglich keltischen Siedlung errichtet. Zahlreiche Bauwerke sind noch gut erhalten, darunter ein Amphitheater, ein Patrizierhaus, eine Basilika und Thermen und Brunnenanlagen. Ein besonders gut erhaltenes Beispiel für die römische Kultur ist die Casa dos Repouxos, das Haus der Wasserspiele, das aus dem 3. Jh. stammt. In einem von Säulen umgebenen Hof kann man Mosaike bewundern, die Motive der griechischen Mythologie zeigen. Unter anderem sind Jagdszenen, Delphine und Perseus, der einem Seeungeheuer das abgeschlagene Haupt der Medusa zeigt, dargestellt. In dem kleinen Museu Monográfico kann man sich an Hand von Modellen über die Ausgrabungsstätte informieren.
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