Ungarn – der Nordwesten – Györ
Die etwa 130 000 Einwohner zählende Stadt Györ liegt im Westen der Pannonischen Tiefebene. Die Ungarn nennen sie nur Stadt der Flüsse, da hier die Flüsse Rába, Rábca und Marcal in den Mosoner Donauarm zusammenfließen. Das Flüsschen Raab war auch der Namensgeber für die deutsche Bezeichnung der Stadt (Raab). Györ (Raab) ist seit fast 1000 Jahren Bischofssitz. Schon vor der Christianisierung waren die Römer an diesem historischen Ort. Heute zählt Györ zu den schönsten und am besten erhaltenen Renaissance- und Barockstädten Ungarns. Enge, mit Kopfsteinpflaster versehene Gassen, deren Häuserzeilen liebevoll restauriert sind, wechseln mit romantischen Plätzen ab, die zum Verweilen einladen. Über 170 Kunst- und Kulturdenkmäler besitzt die Stadt. Wer sie besucht wird von dem besonderen Charme beeindruckt. Györ ist aber auch ein wichtiges kulturelles- und wirtschaftliches Zentrum in der Region. Györ ist Komitatssitz und besitzt drei Hochschulen. Die Stadt ist ein wichtiger Industriestandort der europäischen Autoindustrie. Auf Grund der hervorragenden Lage im Zentrum der Verkehrsadern zwischen Budapest, Wien und Bratislava wird sie jährlich von vielen Tausend Touristen auf dem Weg in eine der drei Hauptstädte besucht. Bis Budapest sind es etwa 120 km, nach Wien 110 km und bis Bratislava nur 70 km. Touristisch ist Györ für viele Reisende ein Ausgangspunkt für das Erleben der drei europäischen Hauptstädte. Daneben ist Györ ein bekannter Kur – und Badeort, umgeben von wunderschöner Landschaft.
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Reiseziele Ungarn – der Nordwesten – Györ kurz zusammengefasst:
- Geschichte der Stadt Györ
Sehenswürdigkeiten der Stadt Györ
- Rathaus
- Bécsi kapu tér / Wiener Tor Platz
- Karmeliter-Kirche /Karmelita templom
- Denkmal Károly Kisfaludy
- Altabak – Haus und Ott – Haus
- Bischöfliche Burg / Püspökvár
- Burgmuseum im Lapidarium
- Liebfrauendom / Székesegyház
- Kapelle des hl. Ladislaus
- Statue des Erzengel Michaels
- Bundesladen Denkmal
- Széchenyi tér / Zentrum der Altstadt
- Jesuitenkirche St. Ignatius
- Jesuiten Apotheke
- János – Xantus – Museum
- Ehemaliges Ungarisches Spital und historische Bürgerhäuser
- Kisfaludy Theater
- Flussinsel / Sziget
Mehr Informationen zu den Reisezielen:
Geschichte der Stadt Györ
Es waren die Kelten, die die Siedlung Arrabona im Gebiet des heutigen Györ gründeten. Dieser Name leitet sich vom Fluss Raab ab. In der Zeit der römischen Besetzung bis zum Verlust der Provinz Pannonien im Jahr 433 an die Hunnen, war die Stadt eine politisch- und wirtschaftlich starkes Machtzentrum. Ihre herausragende Stellung bewahrte sie sich auch unter dem Machteinfluss des ersten ungarischen Königs Stephan. Er war es auch, der Györ im 10. Jh. zum Sitz des Bischofs machte. Seit 1271 besitzt Raab das Stadtrecht. Während der Türkenkriege war die Stadt Raab ein wichtiges Bollwerk und ein Vorposten für die Residenzstadt Wien. Nach einem verheerenden Brand 1566 wurde Györ sehr schnell wieder aufgebaut. Dabei erhielten viele Bauten die Stilelemente der italienischen Renaissance. Ende des 16. Jh.s, während der Türkenkriege, wurde die Stadt belagert und durch Verrat an die türkische Besatzungsmacht ausgeliefert. Nach einer vierjährigen Besatzung zogen die Türken nach der Verwüstung der Stadt ab. Die gute strategische Lage an einem beliebten Handelsweg und das Vorhandensein eines Donauhafens machten Raab im 17. Jh. und in der Folgezeit zu einer reichen Stadt. Im 19. Jh. wurde Györ zu einem wichtigen Industriestandort und Handelszentrum. Györ liegt an der im 19. Jh. entstandenen Eisenbahnlinie Wien- Budapest. Die Stadt war zu dieser Zeit einer der bedeutenden Wirtschaftsfaktoren im Zeitalter der Industrialisierung. Györ soll auch zukünftig zu einem modernen europäischen Verkehrsknotenpunkt zwischen den Hauptstädten ausgebaut werden.
Sehenswürdigkeiten der Stadt Györ
Rathaus
Südlich der Hauptfernverkehrsstaraße, die von Wien nach Budapest führt, liegt, etwas abseits vom Altstadtkern, das im neobarocken Stil erbaute Rathaus aus dem Jahr 1898. Markant sind der U-förmige Grundriss und der 58 m hohe Turm. Im Festsaal des Rathauses werden sehr viele Konzerte aufgeführt. Bekannt ist Györ für den „Györer Musiksommer“. Wer die Stadt erkunden möchte, der kann auf dem großen Parkplatz des Rathauses parken und von hier die Altstadt bequem besichtigen.
Bécsi kapu tér / Wiener Tor Platz
Der Platz liegt am Ufer der Raab und von hier kann man die Altstadt von Györ sehr gut zu Fuß erkunden. Sehr schön ist ein Spaziergang am Ufer der Raab. Sehr viele historisch wertvolle, barocke Bürgerhäuser flankieren die Uferpromenade.
Karmeliter-Kirche / Karmelita templom
Sie schließt sich südlich an den Bécsi kapu tér / Wiener- Tor Platz an. Der Barockbau des Karmelita templom wurde in den Jahren 1721 bis 1725 errichtet. Es war der Tiroler Martin Athanasius Witwer, ein Mitglied des Karmeliter Ordens, der das Bauwerk nach dem Vorbild der Karmeliterkirche in Rom erbauen lies. Sehr schön und beeindruckend ist die ovale Kuppelanlage. Im Inneren befinden sich viele Altarbilder von Martino Altomonte. Die schönen Plastiken stammen von Franz Richter, einem Karmeliterbruder.
Denkmal Károly Kisfaludy
In der Mitte des Platzes Bécsi kapu tér / Wiener- Tor Platz befindet sich das Standbild des Dramatikers Károly Kisfaludy, der zu den bedeutenden Künstlern Ungarns zählt und in der Zeit zwischen 1788 bis 1830 lebte.
Altabak – Haus und Ott – Haus
Einer der schönsten Stadtpaläste ist das Altabak – Haus. Gleich neben dem Altabak – Haus steht das sehr schöne Ott – Haus . Beide Häuser tragen Stilelemente der Spätrenaissance und wurden in der ersten Hälfte des 17. Jh.s erbaut und im 18. Jh. mehrfach umgebaut. Beide Gebäude liegen an der östlichen Flanke des Bécsi kapu tér / Wiener- Tor Platzes.
Bischöfliche Burg / Püspökvár
Auf dem Domkapitelhügel, im Nordwesten der Altstadt, befindet sich der älteste Teil der Burg, die im 11. Jh. von König Stephan erbaut wurde. Heute ist von dieser Anlage nichts mehr zu besichtigen. Im 14. Jh. wurde von Bischof Kálmán ein Wohnturm auf den Grundmauern der alten Wehranlage errichtet. In der zweiten Hälfte des 15. Jh. entstanden neben dem Wohnturm noch eine gotische Domkapelle und ab 1537 erbaute man die acht großen Basteien, wie sie in der Zeit der Renaissance üblich waren. Die heute noch zu besichtigenden barocken Umbauten der Festungsanlage sind im 18. und 19. Jh. erfolgt.
Burgmuseum im Lapidarium
In der Sforza- Bastei der Burganlage ist ein Diözesanmuseum eingerichtet, in dem wertvolle sakrale Gegenstände des 14. bis 19. Jh.s aufbewahrt und präsentiert werden.
Liebfrauendom / Székesegyház
Dieses historisch bedeutende Baudenkmal besitzt eine über Tausend Jahre alte Geschichte. Der Dom, der während der Mongolenfeldzüge zerstört wurde, hatte die Grundzüge eines dreischiffigen romanischen Baues. Wegen seiner außerordentlichen historischen Bedeutung besuchte sogar der Papst das Bauwerk im Jahr 1996. Der Teil des Domes, der der Burg zugewandt ist, ist der jüngste Teil des Bauwerkes. Es ist die klassizistische Westfassade, die um 1823 erbaut wurde. Baumeister dieses Teils war der Oldenburger Jakob Hendler. Die Hauptfassade ist in den Jahren 1803 bis 1823 entstanden und trägt die Stilelemente des Zopfstils und des Klassizismus. Im Inneren fasziniert den Besucher die prachtvolle barocke Ausgestaltung. Im Stil des italienischen Illusionismus sind das Altarbild und die Gewölbefresken ausgeführt. Die zahlreichen christlichen Szenen im Innenraum sollte man in Ruhe auf sich wirken lassen, denn sie sind einzigartig in ihrer inhaltlichen und künstlerischen Ausstrahlung.
Kapelle des hl. Ladislaus
Vom Seitenschiff im Süden des Dominneren kommt man zur gotischen Kapelle des hl. Ladislaus. Sie nennt man auch nach dem Stifter, Hédervár Kapelle. Sie entstand im 15. Jahrhundert. Sehenswert ist das Kopfreliquiar des hl. Ladislaus, der in der Zeit 1077 bis 1095 lebte und schon 1192 heilig gesprochen wurde. Die Krone der Heiligenstatue stammt aus Prag und wurde um 1600 gefertigt.
Statue des Erzengels Michael
Südlich des Doms, auf dem Apor Vilmos tér, befindet sich die Statue des Erzengels Michael. An der Stelle, wo sich die Statue befindet, wurden die Überreste der Grundmauern der romanischen Michaels Kapelle entdeckt.
Bundesladen Denkmal
Nordöstlich des Liebfrauendoms, in unmittelbarer Nähe zu Mosoni Duna, auf dem Gutenberg tér, wurde das Denkmal im Auftrag von Kaiser Karl VI. erbaut. Es entstand 1731 unter der Federführung des Kaiserlichen Hofbildhauers Antonio Corradini und stellt Glaubenszenen des Christentums dar.
Széchenyi tér / Zentrum der Altstadt
Das Zentrum der reichen Stadt bildet der großzügig angelegte Széchenyi tér, der große Marktplatz mit der barocken Mariensäule im Mittelpunkt. Der Bischof Leopold Graf von Kollonitsch stiftete sie der Stadt im Jahr 1686 nach dem Sieg und der Befreiung Budas von der Türkenherrschaft
Jesuitenkirche St. Ignatius
Südlich des Széchenyi tér liegt die Jesuitenkirche St. Ignatius. Früher ein Jesuitenkolleg, ist sie seit 1802 ein Gymnasium für die Ausbildung von Benediktiner Schülern. Zur Zeit ihrer Entstehung besaß die Kirche strenge, frühbarocke Züge. Nach dem Vorbild römischer Jesuitenkirchen besaß sie keine Türme. Erst 1726 erhielt sie diese Anbauten. Im Inneren beeindrucken die sehr schönen Fresken aus der Zeit um 1744. Die Innenausstattung und auch das Hochaltargemälde stammen von dem österreichischen Barockmaler Paul Troger. Es sind seine einzigen Werke im ungarischen Raum. Die Statuen des hl. Petrus, Paulus, Josef und Johannes Nepomuk sind aus der Hand des Wiener Bildhauers Joseph Rössler. Die Kanzel wurde hingegen von dem Pressburger Bildhauer Ludwig Gode erschaffen.
Jesuiten Apotheke
Sehenswert ist das Gebäude der ehemaligen Jesuiten Apotheke in unmittelbarer Nähe der Jesuitenkirche St. Ignatius. Bemerkenswert sind die um 1700 entstandene barocke Stuckdecke und die sehr schönen Bemalung.
János – Xantus – Museum
Nördlich des Széchenyi tér, im Zentrum der Altstadt, befindet sich das Städtische Museum János - Xantus. Es war der Benediktiner Abt der Pannonhalma, der aus mehreren mittelalterlichen Häusern seinen Stadtpalast als Stadtresidenz errichten lies. Der Festsaal des wertvollen Palais war zur damaligen Zeit das Refektorium. Sehr sehenswert ist der überaus schöne Rokokoerker über dem Eingangsportal. Heute ist das Museum dem bekannten Weltreisenden und Naturforscher János - Xantus gewidmet, der im 19. Jh. lebte. Das Museum gibt einen Einblick in Erkenntnisse der Wissenschaft, der Archäologie, der Kunstgeschichte und der Völkerkunde aus jener Zeit. Während der Besichtigung der Exponate in den Vitrinen sollte man auch mal den Blick zur Decke richten, denn vor allem im Festsaal sind die barocken Deckengemälde besonders beeindruckend. Noch ein Tipp:
Etwa 10 km südöstlich der Stadt Györ liegt auf einem Hügel in imposanter Größe und sehr schöner Lage die älteste Benediktinerabtei Ungarns, die Abtei von Pannonhalma.
Ehemaliges Ungarisches Spital und historische Bürgerhäuser
Nordöstlich des Széchenyi tér, im Bereich des Altstadtkerns, sind diese Sehenswürdigkeiten der Stadt zu finden. Sehr schön ist der Laubenhof des ehemaligen Ungarischen Spitals, der im Stil der Spätrenaissance erbaut ist. Gestiftet wurde das Spital durch den Bischof György Graf Széchenyi im Jahr 1666 für die bedürftigen Stadtbewohner von Györ. Sehr beeindruckend sind die alten Bürgerhäuser, die die Altstadtgassen säumen. Dabei sind die schmalen Straßen der Liszt Ferenc utca und die Kazinczy utca historisch besonders wertvoll und sehenswert.
Kisfaludy Theater
Im südöstlichen Altstadtkern Györs, in der Czuczor Gergely utca, ist das Kisfaludy Theater in einem modernen Bau aus dem Jahr 1978 untergebracht. Das mit moderner Wandverkleidung aus Keramik gestaltete Gebäude zählt zu den kulturellen Zentren der Stadt.
Flussinsel / Sziget
Weitere Zentren anderer Glaubensrichtungen gibt es auf der Flussinsel Sziget, die zwischen den Flussarmen der Raab und der Rabnitz liegen. Von Weitem kann man schon den überdimensionalen Kuppelbau der ehemaligen Synagoge Györs erblicken.
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