Estland – der Osten – Tartu
Tartu ist das geistige Zentrum Estlands. Die Stadt mit ihren über 100 000 Einwohnern liegt im Osten des Landes, sie ist die zweitgrößte Stadt Estlands. Sie ist das wirtschaftliche und kulturelle Zentrum Südestlands. Als Universitätsstadt besitzt sie seit Jahrhunderten einen exzellenten Ruf im In- und Ausland. Es war der schwedische König Gustav II. Adolf, der die Universität im Jahr 1632 gründete. Unter polnischer Herrschaft war sie zuvor,von 1583 an, ein Jesuitengymnasium. Heute werden an der Universität Dorpart / Tartu jährlich etwa 19 000 Studenten ausgebildet. Tartu ist eine lebendige Stadt. Neben der Bildung kommt auch die Kultur in der Stadt nicht zu kurz. Von Tallinn aus sind es etwa 200 km bis Tartu. Beide Städte verbindet die Hauptverkehrsader Nr. 2 miteinander. Für die Strecke benötigt man im Normalfall etwa 2 Stunden Fahrzeit. Wer von Tallinn nach Tartu reist, wird an die Landschaft in Finnland erinnert. Es ist leicht hügelig, wald- und wasserreich und dünn besiedelt. Durch Tartu fließt der Emajògi. Er ist sehr wasserreich und fließt in den Peipussee, der nur ca. 30 km östlich der Stadt liegt. Der zweitgrößte See Estlands, der Võrtsjärv liegt ungefähr 30 km westlich von Tartu und ist ein beliebtes Ausflugsziel für die in- und ausländischen Touristen.
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Reiseziele Estland – der Osten – Tartu kurz zusammengefasst:
- Domhügel, Toomemägi
- Pulverkeller
- Engelsbrücke
- Teufelsbrücke
- Überreste der Domkirche
- Sternwarte, Observatorium auf dem Domhügel
- Altes Anatomikum
- Rathausplatz
- Rathaus
- Universität
- Johanneskirche
- Botanischer Garten
- Uspenski Kirche
- Neue Universitätsbibliothek
- Theater Vanemuine
- Paulskirche
- Stadtmuseum
- Museum für Estnische Volkskunde
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Geschichte der Stadt Tartu
Eine erste geschichtliche Bedeutung erlangte die Siedlung Jurjew, unter dem Kiewer Fürsten Jaroslaw dem Weisen. Er lies um 1030 eine Festung erbauen. Im 13. Jh. unterwarfen die Ordensritter das Gebiet bis an den Peipussee. Mit den Kreuzrittern kam auch der Katholizismus und auf heidnischen Opferstätten wurden Kirchen errichtet. So entstand auch die Domkirche von Tartu. Seit dem Jahr 1224 ist das damalige Jurjew in der Hand der Kreuzritter und sie nannten die Festung und die Siedlung seit jener Zeit Dorpat. Auf Grund der guten strategischen Lage entwickelte sich der Ort zu einem blühenden Handelszentrum zwischen der Ostsee im Westen und den Gebieten im Osten, zu den Handelszentren Nowgorod, Kiew und Moskau. Um 1280 wurde Dopart dann ein Mitglied der Hanse und entwickelte sich zu einer bedeutenden und reichen Stadt. Nach Riga war sie im 13. Jh. die zweitgrößte, bedeutendste und auch reichste Handelsmetropole in Livland. Die Bürger der Stadt waren sich ihrer wirtschaftlichen Bedeutung bewusst und sorgen für ihre Sicherheit. So entstand eine über zwei km lange Stadtmauer mit 27 Wehrtürmen und fünf Stadttoren, die den notwendigen Schutz garantierten sollte. Während des Livländischen Krieges 1558- 1583 eroberten die zaristischen Truppen die Stadt und seit 1582 wurde Dopart an das polnische Königreich abgetreten. Zwischen dem Ersten und Zweiten Nordischen Krieg übten die Schweden die Macht in Südestland aus. Um 1625 begann eine Phase der geistigen, kulturellen und wirtschaftlichen Entwicklung. 1632 wurde dann die „Academia Gustaviana Dorpatensis“ gegründet. Wegen der Kriegsgefahr zwischen Schweden und Russland verlegte man den Sitz der Universität 1699 nach Pärnu. Mit dem Sieg der russischen Truppen im Großen Nordischen Krieg 1700- 1721 wurde Tartu fast völlig zerstört und gehörte fortan zu Russland. Heute ist das Stadtbild durch klassizistische Stilelemente geprägt. Der Grund hierfür war ein Großbrand im Jahr 1775, in dessen Ergebnis der Bau von Holzhäusern verboten wurde. Im Jahr 1802 wurde die Universität ein zweites Mal durch den russischen Zaren Alexander I. gegründet und sie wurde zum Zentrum der baltischen Wissenschaft und zugleich ein politisches Zentrum des estnischen Nationalismus. Der Freiheitskampf Estlands für Selbstbestimmung und nationale Unabhängigkeit gelang jedoch erst im Ergebnis des Ersten Weltkrieges im Friedensvertrag von Tartu 1920. Die nationale Unabhängigkeit dauerte jedoch nur bis zum Einmarsch der Sowjet- Truppen unter Stalin 1940. Während des Zweiten Weltkrieges von 1941 bis 1944 herrschten die Deutschen in unrühmlicher Form über das Land. Das Land und die Stadt Tartu erlitten schwere Schäden durch Luftangriffe und viel tausend Menschen, vor allem Juden, fielen dem Krieg zum Opfer. Nach Ende des Krieges wurde die Stadt unter sowjetischer Besatzung wieder aufgebaut. Das kulturelle Leben war stark reglementiert und erst mit der Unabhängigkeit Estlands 1991 konnten sich die Stadt und das Land frei entfalten.
Sehenswürdigkeiten der Stadt Tartu
Domhügel Toomemägi
Am rechten Flussufer des Emajògi erheben sich in Mitten der Stadt die beiden Burghügel von Tartu. Vom Rathaus und der benachbarten Universität führt eine steile Straße hinauf, die vorbei an der Engelsbrücke und Teufelsbrücke auf die Hügel führt. Schon um 1030 befand sich auf dem Domberg ein estnische Burg, die im 13. Jh. durch einen Bischofsburg und eine Domkirche ersetzt wurde. Heute sind von den mittelalterlichen Bauten nur noch Überreste zu sehen. Nachdem das Gelände des Burgberges an die Universität ging, sind hier ein Park und verschiedene Gebäude der Universität erbaut worden.
Pulverkeller
Auf dem Weg zum Burgberg, erblickt man linker Hand den 1778 erbauten Pulverkeller. Er ist in den Hang der Berges gegraben.
Engelsbrücke
Die Brücke verbindet beide Hügel des Domberges miteinander. Es ist eine Holzbrücke, die 1838 errichtet wurde.
Teufelsbrücke
Erbaut hat man sie zur Dreihundertjahrfeier der Romanows, der russischen Zarendynastie. Über den Namen der Brücke ist man uneins, denn ob der Name in Erinnerung an den damaligen Rektor Mannteuffel oder sogar an den Zaren Nikolaus gegeben wurde, ist unklar. Die Brücke trägt klassizistische Baumerkmale und wurde 1913 erbaut.
Überreste der Domkirche
Erbaut wurde die Domkirche im 13. Jahrhundert. Heute deuten die Ruinen auf eine fünfschiffige Basilika hin. An den Überresten sind noch romanische und gotische Stilelemente zu erkennen. Das Gotteshaus wurde im Ersten Nordischen Krieg (Livländischen Krieg) zerstört. Es war die Zeit um 1558- 1583. Der frühere Chorraum ist seit 1806 eine Bibliothek der Universität. Heute dienen die Räume dem Historischen Museum der Universität.
Sternwarte, Observatorium auf dem Domberg
Dieses lang gestreckte Gebäude mit Turm in der Mitte, für das Teleskop, steht auf der linken Seite des Burgberges. Über eine der beiden Brücken erreicht man das 1805 erbaute Gebäude. Die Sternwarte befindet sich seit 1810 auf dem höchsten Punkt des Berges.
Altes Anatomikum
Nur wenige Schritte vom Observatorium entfernt, in südwestlicher Richtung, liegt das halbkreisförmige, historische Anatonikum. Es wurde in den Jahren 1803 bis 1805 erbaut. Das Gebäude zählt mit zu den ältesten der Universität. Im Vorlesungssaal fanden die Anatomie- Vorlesungen statt. Heute ist das Gebäude ein historisches Medizinmuseum.
Rathausplatz
Unterhalb des Burghügels liegt der Rathausplatz, er ist zugleich das Zentrum der Altstadt von Tartu.
Der zum Fluss großzügig angelegte Rathausplatz hat seinen Ursprung im 16. Jahrhundert. Er wurde jedoch in den nachfolgenden Jahrhunderten mehrfach umgestaltet. Im Mittelalter war der Platz das Zentrum des Handels und um den Platz herum befanden sich einige öffentliche Gebäude, wie das Eichamt/ Waage, das Münzhaus und die Apotheke. Nachdem ein Großbrand 1775 fast die ganze Stadt vernichtete, wurden nur noch Steinbauten zugelassen. Nach dem Zweiten Weltkrieg war die Stadt stark zerstört. Die Häuser im Bereich der Nordseite des Platzes sind noch im Original erhalten geblieben. Alle anderen wurden nach dem Krieg neu aufgebaut. Zu den sehenswerten Gebäuden zählt das alte Universitätsgebäude, das Haus des Rathausbaumeisters und das schiefe Haus (Barclay- Haus). Letzteres beherbergt heute ein Kunstmuseum. Den Abschluss des Platzes zum Flussufer bildet das Bankgebäude aus dem Jahr 1897 auf der rechten Seite. Vom Flussufer führt dann eine Fußgängerbrücke auf die andere Uferseite. Die Originalbrücke aus dem Jahr 1784 wurde zum Kriegsende gesprengt und ist nach 1941durch eine Neue ersetzt worden.
Rathaus
An der Westseite des Platzes steht das nach dem Stadtbrand von 1775 neu erbaute Rathaus. Es wurde im frühklassizistischen Stil vom Rostocker Baumeister J.H.B. Walther geschaffen. Im Untergeschoss des Hauses befanden sich die Stadtwaage und ein Gefängnis.
Universität
Nördlich des Rathauses in der Ülikooli liegt das Hauptgebäude der Universität Dopart/ Tartu.
Es wurde 1632 von König Gustav II. Adolf von Schweden gestiftet. Aber schon 1699 verlegte man die Universität nach Pärnu. Die Verlegung geschah wegen der Kriegsgefahr zwischen Schweden und Russland. Der Krieg brach dann im Jahr 1700 aus und 1721 war das ganze Baltikum unter russischer Vorherrschaft. Später war es dann Zar Alexander I., der die Universität 1802 ein zweites Mal gründete.
Um 1809 waren dann die Bauarbeiten an dem Universitätsgebäude vollendet. Beide Seitenflügel und die Universitätskirche stammen aus der Mitte des 19. Jahrhunderts. Das Innere des Gebäudekomplexes ist sehr sehenswert. Im Südflügel des Gebäudes ist heute das Kunstmuseum der Universität untergebracht.
Johanneskirche
Folgt man der Straße weiter, entlang des Universitätsgebäudes, dann steht rechter Hand die Johanneskirche. Sie ist die älteste Kirche in der Unterstadt und wurde zu Beginn des 14. Jh. erbaut. Die dreischiffige Basilika wurde bis zu heutigen Zeit mehrfach erneuert, da die Kriege sie immer stark beschädigten. Ständige Restaurierungsarbeiten erlauben nur bedingt einen Besuch des Gotteshauses. Sehenswert sind die vielen Skulpturen vor allem im Bereich des Ziergiebels im Westportal.
Botanischer Garten
Nordöstlich der Johanneskirche, direkt am Ufer des Emajògi befindet sich der botanische Garten. Den Besucher erwarten viele seltene einheimische und exotische Pflanzen. Sehr schön ist die Blütenpracht im Frühjahr. Neben den vielen Pflanzen gibt es auch einige Denkmäler berühmter Persönlichkeiten im Garten zu sehen.
Uspenski Kirche
Im Nordwesten der Altstadt, in der Nähe des Botanischen Gartens, findet man die russisch- orthodoxe Uspenski Kirche. Sie wurde 1781 im Stil des russischen Frühklassizismus erbaut.
Stadtmauer
In gleicher Richtung wie zur Uspenski Kirche gelangt man auch zu einem historischen Überrest der einstigen Stadtmauer, die früher einmal eine Länge von über 2 km hatte und die ganze Stadt umschlossen hielt.
Barclayplatz
In südlicher Richtung vom Rathausplatz liegt der Barclayplatz. Er trägt den Namen des berühmten Feldmarschalls Barclay de Tolly, der während des Napoleonfeldzuges die zaristischen Truppen bis nach Paris führte. Eine Büste in der Mitte des Platzes ist in Gedenken an ihn hier aufgestellt.
Neue Universitätsbibliothek
Südlich des Domberges und außerhalb des Burggrabens und der ehemaliger Stadtmauer liegt die 1980 neu erbaute Bibliothek. Heute werden in dieser Bibliothek über 5 Millionen der unterschiedlichsten Literaturwerke aufbewahrt. Am Ende der Straße trifft man noch auf das älteste Denkmal der Stadt. Es ist das Völkerdenkmal aus dem Jahr 1811.
Theater Vanemuine
Nur wenige Gehminuten von der neuen Universitätsbibliothek in südöstlicher Richtung liegt das Theater Vanemuine, das 1971 anstelle des im Zweiten Weltkrieg vernichteten Theaters neu entstanden ist. In der Nähe befindet sich auch der historische Ort, wo der Friedensvertrag zwischen Russland und Estland 1920 unterzeichnet wurde. Nur noch ein paar Schritte weiter liegt das Literaturmuseum und das Zoologische Museum der Universität.
Paulskirche
Noch weiter südlich vom Literaturmuseum erhebt sich der Bau, der im Jugendstil gestalteten Paulskirche. Erbaut wurde sie in der Zeit von 1915- 1919 von dem finnischen Baumeister Eliel Saarinen.
Stadtmuseum
Westlich des Domberges, in unmittelbarer Nähe zur Altstadt, liegt das Stadtmuseum. Es gibt einen historischen Einblick in die Kultur und Lebensart der Menschen dieser Stadt.
Museum für Estnische Volkskunde
Auch dieses Museum liegt in der Nähe zum Domberg. Es vermittelt einen Einblick in die Geschichte estnischer Volkskunst und des Kunsthandwerks.
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